Pressespiegel

Einfach machen ist nicht so einfach

Im Kofmehl diskutierten Jugendliche mit politisch Interessierten über Räume

«Wie viel Raum braucht die Jugend?», wollten Grüne und Bunte sowie die SP an ihrem gemeinsamen Themenabend erfahren. «Sicher mehr, als uns jetzt geboten wird», fanden die anwesenden Jugendlichen.

REGULA BÄTTIG

Bei politischen Veranstaltungen prägen normalerweise graue Haare das Bild, am gemeinsamen Themenabend von SP und GuBS am Montag war grün und orange jedoch deutlich stärker vertreten. Die Jugend dominierte aber nicht nur das zahlreich erschienene Publikum in der Kofmehl-Raumbar, sondern auch die Bühne. Dort sassen Vertreter des Alternativen Bündnisses Solothurn, des Soletta AG Antiracups, der Kulturfabrik Kofmehl, der Jungen Grünen, der Juso und von Midnight Projekte Schweiz, die in der ganzen Schweiz Projekte lanciert, bei denen Turnhallen an Wochenenden für Jugendliche geöffnet werden.

Im Winter wird es ungemütlich

«Wo trefft ihr euch eigentlich?», mit dieser Frage eröffnete Moderatorin Franziska Roth die Diskussion. «An der Aare oder im Pärkli», erklärt Marco Weber von der Alternativen Bewegung Solothurn. Und so schön dies im Sommer sei; im Winter oder wenn es regne, werde es ungemütlich. «Wir brauchen dringend Räume», sagte Weber. Am liebsten wäre den Jugendlichen ein altes Haus, «etwas abgelegen am besten». Ein Ort, um sich zu treffen, Konzerte zu veranstalten und «wo man uns einfach machen lässt».

Rahel Bichsel von der Soletta AG Antiracup, ein im letzten Jahr erstmals ausgetragenes Fussballturnier gegen Antirassismus, würde es fürs Erste schon reichen, wenn die Hürden bei der zweiten Ausgabe des Turniers nicht mehr ganz so hoch wären. «Es geht um ein Grümpelturnier, da ist es wohl ziemlich lachhaft, wenn man unzählige Sicherheitssitzungen mit der Polizei hinter sich bringen muss.» Doch auch Bichsel kennt das Problem fehlender Räume. «Wir hatten letztes Jahr ein Konzert geplant, mussten der Band jedoch absagen, da wir keinen passenden Raum finden konnten.»

Auch für Romina Miracco, Vertreterin der Kulturfabrik Kofmehl, sind fehlende Treffpunkte ein Thema: «Bei uns im Dorf wurde der Jugendtreff geschlossen. Mein kleiner Bruder weiss nun nicht mehr, was er am Freitagabend machen soll.» Restaurants und Clubs seien für die meisten Jungen auf Dauer zu teuer. «Was tut ihr denn, wenn ihr mal kein Geld ausgeben wollt?», fragte Franziska Roth. «Zu Hause bleiben, DVDs schauen», antwortete Christof Schauwecker von den Jungen Grünen lakonisch. «Oder wie schon gesagt, man trifft sich irgendwo draussen», ergänzte Dimitri Wyss von der Juso. Doch ab diesem Jahr sei der Wegweisungsartikel in Kraft, «und wer weiss, was jetzt passiert». Treffpunkte wie die Aaremauer seien allerdings schon jetzt nicht immer ganz so gemütlich gewesen: «Es ist teilweise recht mühsam, ständig wird man von der Polizei kontrolliert», sagte eine junge Frau aus dem Publikum, «und das nicht erst mitten in der Nacht.»

Zu teuer? Ein Scheinargument

In politischen Diskussionen würden auch immer wieder die Kosten für solche Räume angeführt. «Aber das ist ein Scheinargument», sagte ein junger Mann aus dem Publikum. «Dabei wäre dies eine Investition. Wären nämlich genügend Räume für uns vorhanden, könnten Reinigungskosten gespart werden, und es würden auch weniger Dinge kaputtgemacht.»

Politischer Weg ist beschwerlich

«Ich sitze schon eine ganze Weile im Gemeinderat, warum habe ich von dem Bedürfnis nach zusätzlichen Räumen nie etwas gehört?», fragte Brigitte Wyss. Man wisse gar nicht, an wen man sich wenden könne, war daraufhin zu hören. Ein Einwand, der Barbara Kläsi, Jugendarbeiterin im Alten Spital, und Marco Lupi, Präsident der Jugendkommission, nicht recht verstehen konnten. «Wir sind da, und unsere Adresse findet man.» Zudem wurde angeführt, dass der politische Weg viel zu beschwerlich sei. «Das ist obermühsam», sagte Marco Weber. Dennoch habe sich das Alternative Bündnis an den Stadtpräsidenten gewandt, um sein Bedürfnis nach einem Raum zu deponieren.

Ein Vorgehen, das Pipo Kofmehl, Leiter der Kulturfabrik Kofmehl, nicht ganz verstehen kann. «Warum macht ihr nicht einfach?», wollte er wissen. «Mir ist das ein Rätsel, wir haben damals auch niemanden gefragt.» Das sei nicht so einfach, entgegneten verschiedene Jugendliche. «Wenn wir ein Haus besetzen, kommt binnen Kurzem die Polizei: Und wir wollen uns nicht kriminalisieren lassen.»

Die Vertreter von «Midnight Projekte Schweiz», die eher am Rande in Erscheinung traten, könnten schon bald einen grösseren Auftritt in Solothurn haben: Die Idee, Turnhallen samstagabends zu öffnen, stiess nämlich auf Interesse. Auch sonst dürfte das Thema «Raum für Jugend» nicht vom Tisch sein, verschiedene Gemeinderäte wollen in absehbarer Zeit entsprechende Vorstösse einreichen.


(c) Solothurner Zeitung, 27.02.08

 
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