14.jpg

Die SP Stadt Solothurn
macht Politik für die
ganze Bevölkerung.

Für alle statt für wenige!

Gopferdori, dann kauft euch neue Uhren, wenn ihr die Zeichen der Zeit nicht lesen könnt!

Frauenstreik in Solothurn – 14. Juni 2019P1010034

Ein Mann sagte mir kürzlich, linke Frauen seien Vogelscheuchen und ich solle ihm ja nicht mit diesem Streikschmarren vom 14. Juni kommen. «Okay», erwiderte ich, «wenn wir als Vogelscheuchen gleich viel Lohn und Sozialleistungen für die harte Arbeit auf dem Feld bekommen wie der Bauer für das Säen und Ernten, dann ist alles bestens!»

 

Wenn wir schon bei der Feldarbeit sind: Es freut mich besonders, dass allen voran Christine Bühler - bis vor kurzem oberste Bäuerin der Schweiz - zum Frauenstreik aufruft. Über die Hälfte der Bauersfrauen verdient nichts. Und dabei arbeiten sie praktisch überall mit: auf dem Feld, im Stall, im Garten. Sie übernehmen nicht selten die Administration und sind für den Haushalt verantwortlich. Drei Viertel der Bauernfrauen sind nicht sozialversichert. Ohne Lohn und Arbeitsvertrag gelten sie als Nichterwerbstätige. Dadurch erhalten sie im Alter nur die AHV und davon meist nur das Minimum. Gar keine soziale Absicherung hat eine Bäuerin, wenn sie schwanger wird. Als Nichterwerbstätige hat sie kein Recht auf Mutterschaftsversicherung, Bei Scheidungen fallen viele Bäuerinnen in tiefe Schulden oder wird eine Bäuerin invalid und hat sie keine IV Beiträge bezahlt, erhält sie bloss eine Minimalrente! Im Rahmen der anstehenden Agrarreform will Bühler daher erreichen, dass «familieneigene Mitarbeitende» entlöhnt werden müssen. Frauen, ältere Kinder, aber auch die Grosseltern-Generation.

Hinz und Kunz, aus der männlichen Bauernschaft sind entsetzt und fordern, dass Christine Bühler ihren Auftritt absagt. Das schiesse doch am Ziel vorbei und Bauernpräsident Ritter doppelt nach «Wir können doch nicht jedem Bauern vorschreiben, dass er seine Familie bezahlt». Dafür zu streiken sei keine gute Form des Protests und für Bauern unüblich! Wie bitte? Manne, wie war das 2008 und 2009 Milchstreik; 400 Bauern geben die Milch nicht ab! Oder 2002 an der Expo, als sie die zu hohen Fleischpreise mit einem Streik, mit Traktorblockaden bemängelten und eine Änderung forderten! Schon vergessen meine Herren?

Ein Jungfreisinniger fragte mich letzte Woche: Kannst du mir bitte einmal - ganz sachlich - erklären, wie du in einer individualistischen Gesellschaft, welche Diversität anstreben soll, “Gleichstellung” erreichen willst? GleichBERECHTIGUNG ist ein verfassungsmässiger Grundsatz. Aber Gleichstellung? Was hat neben dieser kollektivistischen Gleichstellung für dich denn noch Platz?

Ich erklärte ihm das Bundesgesetz über die Gleichstellung von Frau und Mann von 1995 da meinte er: Ah so, dann gehts nur um Lohn. Dachte schon, ihr wollt DIE Gleichstellung, welche seit Hunderten von Jahren in allen Gesellschaften wieder und wieder in sozialer Armut und Elend endete.
Wie bitte? Du sagst ES GEHT NUR UM LOHN? Es geht um Frauen und Kinder in der Armut. Es geht um Anstand und Moral. In der Schweiz beträgt der geschlechtsspezifischer Gesamteinkommensunterschied 110 Milliarden Franken. 110 Milliarden, die wir Frauen der Gesellschaft schenken um dann statistisch bestätigt feststellen zu müssen, dass Armut weiblich ist. Da meinte er, er vertraue keiner politisch gefärbten Statistik mehr. Das sei reine Propaganda. Er halte es da eher mit der economiesuisse.

Letzten Samstag traf ich Bekannte. Sie arbeiten als Wissenschaftlerin und Wissenschaftler beim selben Unternehmen in Basel, haben 2 Kinder im Vorschulalter. Ihr Arbeitgeber wird in diesen Tagen zum grosszügigsten Arbeitgeber gekürt. Per 1. Juli führt er einen Vaterschaftsurlaub von 14 Wochen ein. Es macht das Pharma-Unternehmen damit zum grosszügigsten Arbeitgeber der Schweiz für junge Väter. Ich wollt wissen, wie es sich von innen anfühlt, so grosszügig behandelt zu werden. Die Frau holte tief Luft und der Mann atmete schnaubend aus. Weißt Du, erklärte mir der Mann: Wir arbeiten beide auf derselben Verantwortungs- und Karrierestufe. Letzte Woche als unser Jüngster krank wurde, blieb Mirjam die ersten zwei Tage zu hause und ich den Rest der Arbeitswoche. Der Unterschied ist folgender: Mirjams Vorgesetzter meinte willst Du nicht, solange die Jungs nicht in der Schule sind dein Pensum reduzieren? Und mein Chef sagte mir: Cool, ein fortschrittlicher Papa, das begrüssen wir bei Novartis.

Ein wunderbarer Freund meinte, als ich ihm diese Rede zustellte: Willst du das so bringen? Diese Geschichte vom kranken Kind. Natürlich sei das alles Mist, aber das tönt nun einfach nicht besser, als wenn Männer über Frauen losziehen! Nein, ich will es eigentlich nicht, aber ich muss! Ich muss, weil wir die Gleichstellung noch nicht haben! Und ich werde es Jahr für Jahr wieder tun, bis wir die Gleichstellung leben!

Wir hatten im Kantonsrat im Mai einen Vorstoss zu beraten. Die Regierung soll eine Charta im Bereich der Lohngleichheit im öffentlichen Sektorunterschreiben soll. Der Regierungsrat und auch die Mehrheit des Kantonsrates lehnte dies aufgrund des daraus massiv höheren administrativen Mehraufwandes ab. Hört euch diese Voten hier an und merkt enerviert euch: Eine Unterzeichnung zum jetzigen Zeitpunkt ist verfrüht. Es gebe absolut keine Dringlichkeit. Und das hier müsst ihr euch auf der Zunge zergehen lassen: Wir müssen zuerst mal schauen, was Lohngleichheit kostet. Sie sei ja zwar schon selbstverständlich für alle hier im Ratssaal aber man müsse halt schon dafür sorgen dass Lohngleichheit selbsttragend ist.
Es ist 1981 so dass die Politik sagt: Lohngleichheit müssen wir fordern, aber nicht für die Frauen von heute, sondern von morgen.
Während ich mich aufrege, dass alle Schweizer Frauen zusammen jährlich 7,7 Milliarden Franken weniger verdienen als die Männer und dass 2,9 Milliarden davon auf reiner Diskriminierung basieren, Finden FDP, CVP und SVP: «Halb so schlimm» «Was soll’s, es gibt grössere Probleme. Den täglichen Stau auf der A1 zum Beispiel oder die hohe Steuer für die armen hochmobilen Unternehmen.

Seit Jahren reden wir von Gleichstellung. Seit über 30 Jahren dieselben Töne, die gleichen Ausreden, das immer wiederkehrende lächerlich machen unserer Forderungen. Und das schlimmste ist, dass sogar Frauen aus den Parteien der FDP, CVP und SVP uns Steine in den Weg legen. „Das braucht einfach Zeit!“ heisst es. Gopferdori, dann kauft euch neue Uhren, wenn ihr die Zeichen der Zeit nicht lesen könnt.

Sind wir in Sachen Gleichstellung trotz Gesetz und mehrjährigem Kampf aus den Wolken gefallen und unsanft auf dem Boden gelandet? Reden wir – jetzt wo der Frauenstreik ansteht - über den bösen Mann und die gute Frau? Wir sind unterschiedlich, ihr Männer und wir Frauen! Und diese Unterschiede sollen belieben. Es geht nicht darum Frauen und Männer gleich zu machen – es geht darum uns gleich zu stellen. Und darum reden wir über den bevorzugten Mann und die benachteiligte Frau. Ich kann es beim besten Willen nicht unterlassen die Schuldfrage zu stellen.

Ja ich sehe sie sogar als die wichtigste Frage im Kampf. Gleichstellung ist ein Menschenrecht und somit einklagbar. Gleichstellung ist ein Menschenrecht und es gibt Schuldige, dass wir sie noch nicht haben. Gleichstellung ist ein Menschenrecht das nicht vom Himmel fällt. Wir müssen aufhören darüber zu reden wie wir uns in der diskriminierenden Rolle fühlen. Wir müssen endlich sagen, dass wir genug davon haben immer und immer wieder konstruktive Lösungen zu suchen, die dann in „Daumen hoch - Daumen runter Manier“ angenommen oder mehrheitlich abgelehnt werden. Wir müssen unbequem und laut, aufmüpfig und fordernd sein. Wir müssen auf die Menschen zeigen, die Unrecht verursachen. Auf Jeden und Jede.

Ja, ihr habt richtig gehört, es gibt auch noch zu viele Frauen, die nichts und somit das Falsche tun. Frauen, die in ihrer Wohlfühlfilterblase sitzen und durch die Membran ein verzerrtes Bild der Realität sehen. Sie erkennen keinen Handlungsbedarf und machen sich lächerlich über uns.
Doris Fiala meinte etwa: Ein Gang auf die Strasse ist heute nicht mehr zeitgemäss. Vielleicht sind die Streikenden in den 70er-Jahren stecken geblieben.»

Zu viele Frauen sind auf ihren vermeintlich guten Ruf bedacht. Vermeintlich deshalb, weil sie meinen, dass der gute Ruf vom „lieber still“ sein abhängt. Falsch liebe Frauen, denn wenn wir nicht mitreden, haben wir auch nichts zu sagen! Das muss sich ändern. Und wenn ihr vielleicht nicht den Mut habt zu streiken, und auf die Strasse zu gehen, dann bleibt mindestens zu Hause nicht stehen! Wir lassen uns von denen die gegen uns statt mit uns arbeiten nicht entmutigen. Die Geschichte zeigt, Kampf und Streik lohnt sich! Die "Geschichte unserer Demokratie" ist eine "Geschichte der Strasse“ denkt an den Landesstreik, wo die Forderung der Frauenrechte an zweiter Stelle war! Schon damals gab es Frauen, die um ihren Ruf Angst hatten und den Truppen, die gegen die Streikenden aufgeboten wurden, Tee und Suppe servierten!
Die Gleichstellung ist zu wichtig, um deren Umsetzung den Männern zu überlassen. Lasst uns bekämpfen, dass Frauen nach Uniabschluss zu Hause mit ihren Töchtern Gratisarbeit leisten während ihre Söhne die Verwaltungsräte erobern.

Das Frauenbild unserer Gesellschaft ist in vielen Köpfen halt noch biblisch alt. So lange Nationalräte wie Glarner im Rat sagen können, dass es eine verdammte Sauerei sei eine Pause wegen dem Frauenstreik zu machen und Zitat «Welche normale Frau will denn überhaupt streiken? Wofür denn überhaupt?» „Schweizer Frauen geht es gut, die Mehrheit der Frauen will den Streik gar nicht. «Das ist eine Wahlveranstaltung von linken bis linksextremen frustrierten und zu kurz gekommenen Frauen» und dies lediglich ein Raunen von Links und ein grosses Schweigen der FDP, CVP auslöst, so lange sind Tage wie heute nötig.

So Tage wie heute, wo wir „Kurzgekommene“ darauf bestehen, dass diese Männer wie Glarner und Co. in die lange Röhre gucken.
Lasst mich zum Schluss aufzeigen wie wir Gleichstellung endlich erreichen können, die Gleichstellung, die bedeutet, dass man sich mit unterschiedlichen Meinungen, Ideen, Lösungsansätzen egal welchen Geschlechts auf Augenhöhe begegnet und respektiert.

Auf politischer Ebene: Wählt nur Nationalrätinnen und Nationalräte, von denen ihr wisst, dass sie die Gleichstellung endlich anpacken. Und vor allem eins: Wir Frauen müssen selber Verantwortung übernehmen und für politische Ämter kandidieren. Wir Frauen müssen unsere eigenen Vorbilder sein. Zeigt, dass zickig, stutenbissig und prämenstruell Synonym für zielstrebig, kompetent und erfolgreich sind!

Wir sind die Fachpersonen in der Debatte
Für eine echte Elternzeit und gute Rahmenbedingungen für berufstätige Jungeltern einstehen
Für gute und bezahlbare Krippenplätze für alle
Für Alimentenbevorschussung für alle
Für eine harte Bestrafung bei Lohndiskriminierung
Für einen besseren Schutz vor sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Auf Ebene Wirtschaft: Wenn wir Frauen nicht an den Tisch geladen werden, dann lasst uns unsere eigenen Tische aufstellen. Wer versteht das Kochen von Suppen die heiss gegessen werden? Ja klar, wir, die jahrelang in der Küche standen. Hey Rosso, das ist Populismus meinte mein guter Freund. Ja klar sagte ich, aber er hilft gegen Patriarchalismus. Dass wir Frauen schlechter gesteltt sind, liegt einfach nicht in der Sache der Natur, sondern an unserer Kultur! Dagegen gehen wir jetzt auf die Strasse.

Und deshalb schliesse ich mit den Worten von Simone de Beauvaoir: «Frauen, die nichts fordern werden beim Wort genommen – sie bekommen nichts.»


Die SP Stadt Solothurn
macht Politik für die
ganze Bevölkerung.

Für alle statt für wenige!